26.03.2025

Potenziale von Datacentern – eine Perspektive aus der Baubranche mit Daniel Schmitz (GOLDBECK)

Dr. Ing. Daniel Schmitz ist Teamleiter und Sales Manager für Data Center bei GOLDBECK. Er ist Speaker beim diesjährigen Data Center Expert Summit und spricht vorab im eco Interview über die Abwärmenutzung von Rechenzentren, die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie über nachhaltige Datacenter.

 

Wie lassen sich Quartiersentwicklungen und Datacenter-Projekte wirtschaftlich sinnvoll miteinander kombinieren?

Quartiers- oder Campus-Entwicklungen sind von Anfang an auf partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten angewiesen. Kommunen, Projektentwickler, Energiedienstleister, Planungs- und Baupartner (wie z.B. GOLDBECK) sowie Nutzer müssen gemeinschaftlich ihre Anforderungen definieren, um ein wirksames Konzept zu erarbeiten und zielgruppengerechte Maßnahmen zu ergreifen. Die verschiedenen Themen müssen ganzheitlich und lebenszyklusorientiert betrachtet werden.

Was muss konkret berücksichtigt werden, damit sich die Abwärme von Datacentern effizient in Wohn- oder Gewerbegebäuden nutzen lässt?

Hier muss zwischen zwei Ausgangssituationen unterschieden werden. Bei in der Nähe vorhandenen direkten Wärmeabnehmern, wie z.B. Produktionsbetrieben, oder indirekten Abnehmern, wie z.B. Nah- oder Fernwärmenetze, kann durch effiziente Wärmepumpentechnologie die Abwärme eines Rechenzentrums der Umgebung zur Verfügung gestellt werden. Hier besteht jedoch meist die Herausforderung der großen Temperaturunterschiede (Abgabetemperatur vs. Netztemperatur), sodass diese Maßnahmen häufig unwirtschaftlich sind. Bei Quartiersentwicklungen im Greenfield-Bereich können hingegen Abwärmemenge und -temperaturen auf den Bedarf der übrigen Gebäude abgestimmt werden, um ein effizientes Energiekonzept zu erhalten.

Wie lassen sich Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigen, ohne Kompromisse bei Qualität und Sicherheit einzugehen?

Die Beschleunigung der Planungs- und Genehmigungsprozesse kann aus meiner Sicht nur durch eine frühzeitige Zusammenarbeit und einen rechtzeitigen Interessensabgleich funktionieren. Hier ist es von Vorteil, wenn die Vorhabenträger mit einer Idee und einem konkreten Lösungsansatz auf die Kommune zugehen und diese im Detail vorstellen, damit sich alle Projektpartner auf das Projekt einstellen können. Wichtig sind auch klare Absprachen und Festlegung von Schnittstellen und Verantwortlichkeiten, damit ein reibungsloser Planungs- und Genehmigungsablauf erzielt werden kann. Um die Planungs- und Bauprozesse zu beschleunigen, sind systematisierte Prozesse und Bauweisen auf Basis eines fixierten Leistungs-Solls einzusetzen.

Welche innovativen Konzepte gibt es aktuell für den nachhaltigen Bau von Datecentern, insbesondere im Hinblick auf Energieeffizienz?

Aus meiner Sicht stehen wir aktuell vor einem Transformationsprozess im Bereich der Kältetechnik; es wird auch in Zukunft noch weiter luftgekühlte Systeme mit verhältnismäßig niedrigen Abwärmetemperaturen geben. In den nächsten Jahren wird es zusätzlich vermehrt hybride Anlagensysteme geben, bei den luftgekühlte und flüssigkeitsgekühlte Systeme kombiniert werden können. So können zum einen leistungsstärkere Server zum Einsatz kommen und zum anderen höhere Abwärmetemperaturen genutzt werden, welche wiederum mit einem höheren Wirkungsgrad an zur Verfügung stehende Wärmeabnehmer transferiert werden können. Ergänzend bin ich der Überzeugung, dass die Entwicklungen im Bereich der Energiespeicherung in Form von effizienten Wärmespeichern weiter voranschreiten werden.

Welche Rolle spielen Lebenszyklusbetrachtungen und Recycling-Konzepte beim Betrieb nachhaltiger Rechenzentren?

Die Lebenszyklusbetrachtung spielt bei sämtlichen Immobilienentwicklungen eine herausragende Rolle. Sowohl die effiziente und ressourcenschonende Planung als auch der Einsatz möglichst filigraner Bauteile sorgen dafür, dass das Gebäude nachhaltig errichtet wird. Hier können beispielsweise auch Recyclingbaustoffe (Goldbeck Blue Concrete, grüner Stahl usw.) zum Einsatz kommen. Eine auf den Bedarf optimal angepasste Gebäudetechnik sorgt wiederum in der Betriebsphase für eine hohe Wirtschaftlichkeit als auch einen effizienten Ressourceneinsatz. Die Umbau- und Rückbaufähigkeit von Rechenzentren sollte bereits in der Planung mitberücksichtigt werden. So sind Baustoffe einzusetzen, die beim Rückbau wiedergewonnen und im Sinne des Kreislaufwirtschaftsgesetzes wieder eingesetzt werden können und nicht als Sondermüll entsorgt werden müssen.

 

Alle Informationen zum Data Center Expert Summit:

Data Center Expert Summit: 3 Fragen an Daniel Schmitz, Goldbeck 1