23.07.2024

Digitalisierung, 5G und KI: Wie sich Rettungsmobilität verändert

Moderne Technologien bieten das Potential die Effizienz von Rettungseinsätzen erheblich zu steigern, die Kommunikation zu verbessern und letztendlich Leben zu retten. Dabei gibt es vielfältige Anknüpfungspunkte und Aspekte der Digitalisierung im Rettungswesen, die von innovativen Einzellösungen bis zu Maßnahmen zur Digitalisierung der gesamten Rettungskette reichen.

Vernetzte Rettungsmobilität

Der Einsatz von Telematik und GPS-Technologien ist aus dem modernen Rettungswesen nicht mehr wegzudenken. Sie ermöglichen es, die Positionen der Einsatzfahrzeuge in Echtzeit zu verfolgen und die schnellste Route zum Einsatzort zu ermitteln. Gerade die Ermittlung des nächstgelegenen Einsatzfahrzeugs und der optimalen Route zum Unfallort kann hierbei den entscheidenden Unterschied ausmachen, wenn im Notfall jede Sekunde zählt. Hier bietet sich die Verwendung von KI-basierten Verfahren an, die die aktuelle Verkehrslage und weitere Einflussfaktoren zur präzisen Berechnung des schnellsten Weges berücksichtigen. Zu einer weiteren Verbesserung kann die Nutzung weiterer Datenquellen durch eine intelligente Vernetzung mit bestehenden städtischen Systemen wie z.B. Sensoren und Kameras zur Verkehrssteuerung beitragen. Durch die Integration intelligenter Verkehrsinfrastruktur können für Einsatzfahrzeuge Priorisierungssysteme eingesetzt werden und eine Grüne Welle realisiert werden. Hierbei werden die Ampeln auf der optimalen Route für das Einsatzfahrzeug automatisch auf Grün geschaltet. Der Zugriff auf vernetze Infrastrukturen kann auch bereits vor dem Eintreffen von Rettungskräften hilfreich sein. Die Anzahl von Kameras im öffentlichen Raum nimmt stetig zu, deren Bilder gegebenenfalls durch die Leitstellen zur Ersteinschätzung der Lage genutzt werden können und somit weitere kostbare Zeit gespart werden könnte. Auch hier können KI gestützte Verfahren bei der Bestimmung der nächstgelegenen Kamera eingesetzt werden.

Drohnen als fliegende Ersthelfer

Drohnen bieten ein großes Potential für den Einsatz im Rettungswesen. Zunächst können Drohnen zur schnelleren Beurteilung der Lage vor Ort eingesetzt werden. Jedoch eignen sich Drohnen auch zum Transport von medizinischen Gütern und Geräten. Erste Pilot-Projekte mit Drohnen, die einen mobilen Defibrillator vor dem Eintreffen der Rettungskräfte zur betroffenen Person transportieren können, wurden bereits erfolgreich absolviert. In Kombination mit telemedizinischer Unterstützung können Ersthelfer vor Ort eine assistierte Erstversorgung vornehmen.

Telemedizinische Unterstützung

Gerade im Bereich der Telemedizin bieten sich durch die Ubiquität mobiler Endgeräte große Chancen für das Rettungswesen. Durch die Nutzung von telemedizinischen Tools bzw. Apps oder vorinstallierte Videokonferenzdienste, können Ersthelfer vor Ort durch erfahrene Ärzte angeleitet werden, was die Qualität der Erstversorgung erheblich verbessert. Durch zusätzliche Features wie z.B. eine automatische Übersetzungsfunktion (Text-to-Speech), Geo-Informationen oder auch Filesharing zur Übermittlung von Bildern, können solche Dienste über die reine Anleitung hinaus wertvolle Zusatzinformationen bereitstellen. Doch nicht nur in der Erstversorgung bei Notfalllagen können telemedizinische Anwendungen eine wichtige Rolle einnehmen. Gerade in ländlichen Regionen sind spezialisierte medizinische Fachkräfte häufig nicht sofort verfügbar. Auch hier können Spezialisten unter Verwendung telemedizinischer Services in Echtzeit wertvolle Unterstützung leisten.

Einige der bisher genannten Beispiele wurden bereits praktisch erprobt. Ende Mai wurden einige Lösungen in einer Sitzung der eco Kompetenzgruppe Mobility durch die Unternehmen bzw. Projekte 5urvive, 5G-Reallabor in der Mobilitätsregion Braunschweig-Wolfsburg und COREVAS GmbH & CO.KG präsentiert und diskutiert.

Wie digital Feuerwehren, Rettungsdienste und Co bereits sind, dem Thema hat sich auch eine Folge des eco Podcast „Das Ohr am Netz“ gewidmet „Smartes und vernetztes Rettungswesen: Wenn die Digitalisierung Leben rettet“.

Fazit

Durch die Digitalisierung im Rettungswesen bieten sich enorme Möglichkeiten, die Effizienz und Effektivität von Rettungseinsätzen zu steigern und somit letztlich Leben zu retten. Durch verbesserte Kommunikation, den Einsatz moderner Technologien wie GPS und Telematik sowie die Nutzung telemedizinischer Anwendungen und Drohnen kann die Qualität der Notfallversorgung erheblich verbessert werden.

Jedoch ergeben sich gleichzeitig auch hohe Herausforderungen für den flächendeckenden Einsatz. Da der Rettungsdienst dezentral und in der Regel kommunal organisiert ist, stellen fehlende und nicht standardisierte Schnittstellen zum Datenaustausch ein großes Problem für die Interoperabilität und Vernetzung verschiedener Dienste dar. Neben technischen Hürden sind Gesundheitsdaten besonders schützenswert und die Anforderungen an den Datenschutz -und -sicherheit sind besonders hoch. Die Zukunft des Rettungswesens liegt jedoch in der erfolgreichen Integration und Vernetzung digitaler Technologien.

 

eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. 69